Die Katastrophe in Tschernobyl – Ein Blick zurück

Ein Unglück, das die Welt verändern sollte
Im Jahr 1986 wunderten sich Experten für Radioaktivität in Mitteleuropa über deutlich erhöhte Werte. Es dauerte noch eine Weile, ehe die Ursache dafür ausgemacht war: Ein Unglück im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl, infolgedessen eine Wolke von radioaktiven Stoffen gen Westen wehte. In den ersten Tagen hatte die Regierung der UdSSR noch versucht, das Unglück zu vertuschen, dies war dann jedoch schon bald nicht mehr möglich. In der unmittelbaren Nähe zum AKW erkrankten viele Menschen durch die Strahlung schwer und auch Spätfolgen sind bis heute festzustellen. Die Kernkraft genießt seit diesem Unglück einen eher zweifelhaften Ruf, wird aber nach wie vor in den meisten Ländern der Welt zur Energiegewinnung genutzt.

Urlaub am Atom-Reaktor
Kaum ein Sektor des ukrainischen Tourismus erfreut sich derzeit so großer Beliebtheit wie die Touren nach Tschernobyl, welche zahlreiche Anbieter im Sortiment haben. Besucher aus aller Welt werden direkt zum Reaktor gefahren und können dort Selfies machen. Was erst einmal eigenartig anmutet, ist zumindest aus gesundheitlicher Sicht nicht weiter bedenklich. Experten beziffern die Strahlung rund um das AKW auf dieselbe Höhe wie jene, die bei einem normalen Linienflug auf den Körper einwirkt. Nichtsdestotrotz müssen vor einem Besuch einige Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört, möglichst nichts anzufassen und einen Geigerzähler immer parat zu haben. Fast schon geisterhaft muten innerhalb der sogenannten Sperrzone die zahlreichen verlassenen Spielplätze an.

Welche Lehren wurden aus dem Unglück gezogen ?
Um Katastrophen wie die in Tschernobyl zu verhindern, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Kernkraftwerken weltweit signifikant erhöht. Trotzdem kann nie mit absoluter Gewissheit ausgeschlossen werden, dass sich ein solches Unglück wiederholt. Bestes Beispiel dafür war die Katastrophe im japanischen Fukishima, welche sich im Jahr 2011 ereignete. Durch eine sogenannte Kernschmelze, ausgelöst durch ein starkes Erdbeben und einen Tsunami, gelangten radioaktive Stoffe in die Umwelt. Selbst 7 Jahre danach können die Einwohner der Region in vielen Fällen nicht in ihre Häuser zurückkehren. Unabhängig davon werden weltweit neue und sicherere Kernkraftwerke entwickelt. Es kann wohl auch in Zukunft nicht auf sie verzichtet werden.

Der deutsche Sonderweg
Im Gegensatz zu allen anderen Ländern entschied man sich infolge der japanischen Katastrophe in Deutschland dazu, endgültig auf diese Technologie zu verzichten. Schon im Jahr 2022 soll das letzte deutsche Kraftwerk vom Netz gehen. Bezeichnet wird dieser Vorgang als Energiewende. Anstatt auf Kernkraft setzt Deutschland künftig auf Erneuerbare Energien wie Wind-, Wasser und Solarkraft. Ein Schritt, der in der Bevölkerung nicht unumstritten war, wurde von Kanzlerin Merkel beinahe im Alleingang umgesetzt. Im Zug eines beispiellosen Meinungsumschwungs beschloss die Atom-Befürworterin Merkel den Ausstieg. Bis Deutschland 100 Prozent erneuerbare Energien einsetzen kann, müssen Technologien wie die Kohlekraft weiter gefördert werden.